Jessica Hawighorst widmet sich der Frage, ob und unter welchen Voraussetzungen künstliche Intelligenz als eigenständiges Rechtssubjekt anerkannt werden kann. Im Mittelpunkt steht die Figur der sogenannten elektronischen Person (ePerson), die als rechtlich selbstständiger Träger von Rechten und Pflichten konzipiert wird. Die Autorin analysiert die dogmatischen und philosophischen Grundlagen einer solchen Zuschreibung und verbindet rechtsdogmatische Argumentation mit verfassungsrechtlichen und europarechtlichen Perspektiven. Ausgehend von der zunehmenden Autonomie moderner KI-Systeme untersucht die Autorin die Herausforderungen von Vorhersehbarkeit, Nachvollziehbarkeit und Zurechnung ihres Handelns. Dabei werden zentrale Begriffe wie Rechtssubjekt, Rechtsperson und Rechtsfähigkeit kritisch beleuchtet und in ihrem Verhältnis zueinander neu bestimmt. Jessica Hawighorst zeigt, dass die Zuerkennung von Rechtssubjektivität kein naturgegebenes, sondern ein gesetzgeberisches Konstrukt ist, das sich innerhalb verfassungsrechtlicher Grenzen frei gestalten lässt. Ethik, Rechtskultur und Zweckmäßigkeit bilden dabei die entscheidenden Bezugspunkte. Sie gelangt zu dem Schluss, dass eine rechtliche Anerkennung künstlicher Intelligenz als Person zwar möglich, gegenwärtig jedoch nicht erforderlich ist. Sie könnte bestehende Unsicherheiten im Vertrags- und Haftungsrecht verringern, wäre jedoch mit erheblichen legislativen und administrativen Herausforderungen verbunden. Der Gesetzgeber bleibt damit frei, über die Einführung und Ausgestaltung einer solchen Rechtspersönlichkeit politisch zu entscheiden.
Geboren 1994; Promotion 2025 (Tübingen); Rechtsanwältin im IT- und Internetrecht in Stuttgart.
Erster Teil: Einführung und technische Grundlagen§ 1 Einleitung§ 2 Was ist künstliche Intelligenz?I. Geschichtliche EntwicklungII. Begriff und technischer HintergrundIII. Einsatzbereiche und Typen von KIIV. Vergleich mit menschlicher IntelligenzV. Ausblick: Künftige Chancen und Risiken durch KIZweiter Teil: Die elektronische Person§ 3 Die Diskussion über „personifizierte Maschinen"I. Menschliche Maschinen in UnterhaltungsmedienII. Einzug der Diskussion in die (juristische) FachliteraturIII. Diskussion auf politischer Ebene§ 4 Begriffe und „Begriffsverwirrung"I. BegriffeII. Exkurs: TeilrechtsfähigkeitIII. Entwirrung der Begriffe?IV. Stellungnahme zu den Begrifflichkeiten§ 5 Aktuelle Begriffs- und StatusdiskussionenI. Statusdebatten mit Bezug zum MenschenII. GesamthandsgemeinschaftenIII. Tiere und NaturIV. Künstliche IntelligenzV. Vor- und Nachteile der Statusdebatten und das „Henne-Ei-Problem" in der Diskussion§ 6 Die Entwicklung des Rechtsdenkens über RechtspersönlichkeitI. Entwicklung der natürlichen PersonII. Entwicklung der juristischen PersonIII. „Atypische" Rechtssubjekte in Vergangenheit und GegenwartIV. Heutiges Verständnis: Rechtspersönlichkeit als ein Gegenstand derZuschreibung durch den Gesetzgeber§ 7 Gründe für die Zuerkennung von RechtspersönlichkeitI. Rechtskulturelle Orientierungsmuster