Arbeiten Rechtswissenschaft und Rechtspraxis kooperativ und produktiv zusammen? Ist in letzter Zeit ein "Bruch" zwischen beiden Sphären zu beobachten? Und: Wer beeinflusst wen? Das Verhältnis von Wissenschaft und Praxis ist gerade im Verwaltungsrecht Gegenstand handfester Kontroversen. Galt das Verhältnis lange Zeit als konsolidiert, wird von Teilen der Wissenschaft jüngst behauptet, Verwaltungsrechtswissenschaft und Verwaltungsrechtspraxis befänden sich in einem Prozess des "Auseinanderdriftens": Methodische Grundlagendiskussionen in der Wissenschaft würden von der Praxis kaum mehr rezipiert, zahlreiche Themengebiete des Besonderen Verwaltungsrechts würden trotz ihrer großen Praxisrelevanz von der Wissenschaft ignoriert. Paul Hüther untersucht das Verhältnis von Wissenschaft und Praxis im Verwaltungsrecht aus empirischer und historischer Perspektive. In diesem Rahmen nimmt er die personellen, institutionellen, formalen und inhaltlichen Verflechtungen von Verwaltungsrechtswissenschaft und Verwaltungsrechtspraxis von 1949 bis heute in den Blick.
Geboren 1996; Studium der Rechtswissenschaft in Heidelberg; 2020 Erste Juristische Prüfung; Wissenschaftlicher Mitarbeiter am Institut für deutsches und europäisches Verwaltungsrecht der Universität Heidelberg; Rechtsreferendariat am Landgericht Heidelberg; 2023 Promotion.
Kapitel 1: Die Perspektive der Wissenschaft§ 1 Hintergrund und Erkenntnisinteresse§ 2 Wissenschaft und Praxis im Verwaltungsrecht: Vorklärungen§ 3 Erster Zugriff: Themengebietsbezogene "Ungleichzeitigkeiten"?Kapitel 2: Die Perspektive der Praxis§ 4 Methodik§ 5 Quantitative Untersuchung§ 6 Qualitative UntersuchungKapitel 3: Personelle und institutionelle Verflechtungen§ 7 Biografische Verbindungen zwischen Wissenschaft und Praxis§ 8 Institutionelle Ermöglichung des Dialogs zwischen Wissenschaft und PraxisKapitel 4: Formale Bezugnahmen zwischen Wissenschaft und Praxis§ 9 Zitation rechtswissenschaftlicher Literatur in verwaltungsgerichtlichen Entscheidungen§ 10 Praxisbezüge verwaltungsrechtlicher ZeitschriftenKapitel 5: Entwicklung verwaltungsrechtlicher Institute durch Wissenschaft und Rechtsprechung§ 11 Untersuchungsrahmen§ 12 Die Entwicklung der Zweistufentheorie im Subventionsrecht§ 13 Die Entwicklung des Anspruchs auf polizeiliches Einschreiten§ 14 Die Entwicklung des Risikobegriffs im Atomrecht§ 15 Die Modifikation des § 48 VwVfG aufgrund gemeinschaftsrechtlicher Vorgaben§ 16 Die Entwicklung des Regulierungsermessens im Telekommunikationsrecht§ 17 Fazit: Akteure, Interaktionstypen, FunktionenZusammenfassende Schlussbemerkung: Zwei Welten?