Wie nur wenige andere Rechtsinstitute steht das sakrale Asyl im Schnittpunkt zwischen Religion und Recht: Es ist der Schutz, den Menschen durch die Flucht an einen Heiligen Ort oder durch eine als heilig empfundene Schutzbitte zu erlangen vermochten. Daher spiegeln sich in diesem Rechtsinstitut Geist und Religiosität im Wechsel der Zeiten besonders eindrucksvoll in unterschiedlichen Formen des Rechts wider. Dies gilt besonders für die Antike, auf deren Säulen des klassischen Altertums und der jüdisch-christlichen Überlieferung die Kultur des modernen Europa ruht. Christian Traulsen untersucht die Rechtsgeschichte des sakralen Asyls dieser Epoche in ihren geistes- und religionsgeschichtlichen Bezügen und spannt dabei den Bogen von Altarflucht und Freistädten im Alten Israel über Schutz und Zuflucht im Homerischen Epos, Asylie und Hikesie im Antiken Griechenland bis hin zur Entstehung des Asylrechtes der christlichen Kirche in der Spätantike.
Geboren 1969; Studium der Rechtswissenschaften in Tübingen und München; 2003 Promotion; 2012 Habilitation; Privatdozent an der Juristischen Fakultät der Eberhard Karls Universität Tübingen.
EinleitungKapitel 1: Altarflucht und Freistädte im Alten Israe1. Probleme und Methoden1.1. Vorüberlegungen1.2. Grundlagen1.3. Überblick2. Der Altar als Zufluchtsort2.1. Erstes Buch der Könige 1, 50-53; 2, 28-342.1.1. Text2.1.2. Zur Exegese2.1.3. Rechtshistorische Schlußfolgerungen2.2. Exodus 21, 12-142.3. Weitere Hinweise auf sakrale Asylvorstellungen2.3.1. Asyl in den Psalmen?2.3.2. Asyl in erzählenden Texten?2.4. Fazit2.4.1. Die vorexilische Zeit2.4.2. Die nachexilische Zeit3. Die Freistädte3.1. Die biblische Überlieferung3.2. Zur Exegese3.2.1. Deuteronomium 19, 1-133.2.2. Numeri 353.2.3. Josua 203.2.4. Deuteronomium 4, 41-433.3. Rechtshistorische Bewertung3.3.1. Religionsgeschichtlicher Zusammenhang3.3.2. Der historische Kern4. Palästina in hellenistischer Zeit5. ErträgeKapitel 2: Schutz und Zuflucht im homerischen Epos1. Befund2. Probleme3. Die flehentliche Bitte4. Der Fremde5. Der Hikétes6. Erträge6.1. Zusammenfassung6.2. SchlußfolgerungenKapitel 3: Hikesie und Asylie im Antiken Griechenland1. Vorüberlegungen2. Hiketeía2.1. Quellen2.2. Zum Begriff2.3. Hikesie-Mittel2.3.1. Der Heilige Ort2.3.2. Gesten und Gebärden2.3.3. Attribute: Die Hiketería2.3.4. Besonderheiten2.3.5. Bedeutung2.4. Wirkung3. Asylía3.1. Säkulare Asylie3.1.1. Inhalt3.1.1.1. Die Asylie als Selbsthilfeverzicht3.1.1.2. Die Asylie im Kriegszustand3.1.2. Formen3.1.2.1. Asylie der Einzelpersonen3.1.2.2. Zwischenstaatliche Asylie3.2. Sakrale Unverletzlichkeit3.2.1. Die Unantastbarkeit des Heiligen3.2.2. Das ásylon hierón als phýximon4. Die Schutzfunktion der griechischen Heiligtümer4.1. Das Verhältnis von Hikesie und Asylie4.2. Zur rechtlichen Seite der Hikesie und Asylie4.2.1. Erwägungen zur Rechtsnatur4.2.2. Rechtsvorschriften4.2.2.1. Die Hikésioi in den Hl. Gesetzen von Kyrene4.2.2.2. Weitere Rechtsvorschriften4.2.3. Grundsatz und Beschränkungen4.3. Zur Rechtswirklichkeit5. Entwicklungen in hellenistischer Zeit5.1. Rechtliche Gewährleistungen sakraler Asylie durch die . delphische Amphiktyonie5.2. "Heilige und unverletzliche" Städte5.2.1. Kathiérosis kraft zwischenstaatlicher Anerkennung5.2.2. "Hierós kai ásylos" als Titel auf Münzen und Inschriften5.3. Staatliche Anerkennung sakraler Unverletzlichkeit in den Monarchien5.3.1. Seleukidenreich5.3.2. Ptolemäerreich5.3.3. Zusammenfassung6. Unter römischer Herrschaft6.1. Sakrales Asyl in Rom6.2. Begegnungen6.3. Die Asylüberprüfung der Jahre 22/23 n. Chr.7. ZusammenfassungKapitel 4: Die Entstehung des kirchlichen Asylrechtes1. Von der Kirchenflucht zum Asylrecht der Kirchen1.1. Die Praxis der Kirchenflucht1.2. Beschränkungen durch die kaiserliche Gesetzgebung1.3. Die Anerkennung des Asylrechtes1.3.1. Im Westen1.3.2. Im Osten1.3.3. Vereinheitlichung durch den Codex Theodosianus1.4. Fazit2. VerbindungslinienSchluß