Wie können Unternehmen in Deutschland, die in internationale Lieferketten eingebunden sind, Nachhaltigkeitsstandards rechtlich wirksam, verbindlich und durchsetzbar gestalten? Ausgehend von der Beobachtung, dass ökologische und menschenrechtliche Standards zunehmend in den globalen Wirtschaftsverkehr einfließen, untersucht Luisa Eberle die vertraglichen Mechanismen, mit denen diese Anforderungen operationalisiert werden können. Im Zentrum steht das Spannungsverhältnis von Nachhaltigkeitsstandards zwischen freiwilligen Selbstverpflichtungen und gesetzlichen Pflichten, etwa nach dem deutschen Lieferkettensorgfaltspflichtengesetz (LkSG), der europäischen Corporate Social Due Diligence Directive (CSDDD), der Entwaldungsverordnung (EUDR) und der Zwangsarbeitsverordnung (EUFLR). Anhand des deutschen Rechts und des UN-Kaufrechts analysiert die Autorin, wie Nachhaltigkeitsstandards zu verbindlichen Vertragspflichten erhoben, eindeutig bestimmt und gerichtlich - einschließlich schiedsgerichtlich - durchgesetzt werden können. Zugleich beleuchtet sie die Perspektive der Verkäuferseite, die mit einseitigen Belastungen konfrontiert sein kann, und fragt nach den Grenzen einer solchen Vertragsgestaltung im Lichte des Schutzes der schwächeren Vertragspartei. Mit diesem Ansatz verbindet Luisa Eberle einen rechtsdogmatischen Beitrag zur Ausgestaltung nachhaltiger Lieferketten mit einem praxisorientierten Blick auf deren Umsetzung in einer globalisierten Wirtschaft.
Geboren 1994; Studium der Rechtswissenschaften an der Universität Mannheim; 2020 Erstes Juristisches Staatsexamen; Wissenschaftliche Mitarbeiterin an der Universität zu Köln; 2025 Promotion (Köln); Rechtsreferendariat am Landgericht Köln.
EinleitungA. Einführung in die ProblematikB. Bisheriger Forschungsstand und ForschungslückenC. Forschungsfrage, Eingrenzungen und Gang der UntersuchungKapitel 1: GrundlagenA. Nachhaltigkeitsstandards als AnalyseobjektB. Internationale Lieferbeziehungen als AnalyserahmenC. Flankierende KonzepteD. Gestiegene Relevanz von Nachhaltigkeitsstandards in internationalen LieferbeziehungenE. Schlussfolgerungen für die weitere UntersuchungKapitel 2: Ausgewählte Nachhaltigkeitsstandards und ihre Relevanz für internationale LieferbeziehungenA. Gewählte Typologie und DifferenzierungskriterienB. Staatlich verpflichtende StandardsC. Freiwillige StandardsD. Nachhaltigkeitsstandards in internationalen Lieferbeziehungen als ‚Smart Mix'E. Schlussfolgerungen für die weitere UntersuchungKapitel 3: Die Ausgestaltung von Nachhaltigkeitsstandards im VertragA. Relevanz des deutschen Sach- sowie des UN-Kaufrechts für die UntersuchungB. Einfluss von Nachhaltigkeitsstandards auf die Leistungspflicht der Lieferung der KaufsacheC. Einfluss von Nachhaltigkeitsstandards auf sonstige VertragspflichtenD. Die konkrete Standardformulierung und ihre AuswirkungE. Zusammenfassung und Handlungsempfehlungen4. Kapitel: Rechtsbehelfe bei der Verletzung von NachhaltigkeitsstandardsA. Verletzung von Nachhaltigkeitsstandards mit Einfluss auf die Leistungspflicht der Lieferung der KaufsacheB. Verletzung von Nachhaltigkeitsstandards als sonstige VertragspflichtC. Verletzung von Nachhaltigkeitsstandards und vorvertragliche Informations- und WahrheitspflichtenD. Verletzung von Nachhaltigkeitsstandards und die GeschäftsgrundlageE. Konzept der ‚Ethischen Unzumutbarkeit' (‚Ethical Hardship')F. Zusammenfassung und HandlungsempfehlungenKapitel 5: Nachhaltigkeitsstandards in der WirksamkeitskontrolleA. Wirksamkeitskontrolle außerhalb des AGB-RechtsB. Wirksamkeitskontrolle nach AGB-RechtC. Zusammenfassung und HandlungsempfehlungenKapitel 6: Grenzen des VertragsrechtsA. Ungleiche Machtverhältnisse in LieferbeziehungenB. Abbildung Kooperativer Maßnahmen in VerträgenC. Komplexe, multipolare LieferkettenstrukturenZusammenfassung der Ergebnisse in Thesen