Die zersplitterte Rechtsmaterie des landwirtschaftlichen Sondererbrechts zeichnet sich durch eine ausgeprägte Reformträgheit aus. Während die besonderen landwirtschaftlichen Vererbungsregelungen ursprünglich eine Zerschlagung der landwirtschaftlichen Betriebe in kleinere, unwirtschaftliche Parzellen verhindern sowie die „Volksernährung" sicherstellen sollten, können diese Zielsetzungen heute angesichts tiefgreifender agrarstruktureller Veränderungen nicht mehr vollends überzeugen. Im Zentrum steht nun vielmehr der Erhalt einer multifunktionalen Landwirtschaft, die dadurch charakterisiert ist, dass neben der klassischen Nahrungsmittelproduktion in besonderem Maße regionalpolitische, gesellschaftliche, ökologische, kulturelle und soziale Funktionen übernommen werden. Außerdem kann die geltende Rechtslage den modernen Realitäten landwirtschaftlicher Betriebe nicht hinreichend Rechnung tragen. So hat etwa die Führung eines landwirtschaftlichen Betriebes zunehmend an Komplexität gewonnen, Familienstrukturen sind diverser geworden und es ist eine forciertere Nachlassplanung zu beobachten. Angesichts dramatischer Umbrüche in der Landwirtschaft besteht gleichwohl ein gesteigertes Bedürfnis nach einem besonders ausgestalteten Erbrecht. Elna Wesener entwickelt einen Reformvorschlag, der auf einen gerechten Interessenausgleich zwischen den weichenden Erben und Pflichtteilsberechtigten einerseits und dem Betriebsnachfolger andererseits bedacht ist.
Geboren 1998; Studium der Rechtswissenschaften an der Universität Münster; 2025 Promotion; Rechtsreferendariat am OLG Celle.
EinleitungA. Historische Entwicklung des landwirtschaftlichen SondererbrechtsI. Die Anfänge des AnerbenrechtsII. Die Einflüsse der Bauernbefreiung auf das AnerbenrechtIII. Gesetzgeberische Aktivitäten seit Mitte des 19. JahrhundertsIV. Entstehung des BGB-LandguterbrechtsV. Bestrebungen einer reichsgesetzlichen Anerbengesetzgebung in der Weimarer RepublikVI. Agrarpolitische Gesetzgebung im NationalsozialismusVII. Anerbenrecht in der NachkriegszeitB. Die durch den agrarstrukturellen Wandel veränderten Realitäten der Landwirtschaft und deren Auswirkungen auf die Zielsetzungen des landwirtschaftlichen SondererbrechtsI. Zielsetzungen des landwirtschaftlichen SondererbrechtsII. Veränderte Realitäten in der Landwirtschaft als Anlass zur Neuformulierung der Zielsetzungen des landwirtschaftlichen Sondererbrechts?III. FazitC. Heute geltende RechtslageI. Bundeseinheitliche RegelungenII. Partielles Bundesrecht: Nordwestdeutsche Höfeordnung (HöfeO)III. LandesanerbengesetzeIV. FazitD. Verfassungsrechtliche Rechtfertigung des landwirtschaftlichen SondererbrechtsI. Vereinbarkeit mit der Eigentums- und Erbrechtsgarantie gemäß Art. 14 Abs. 1 S. 1 GGII. Vereinbarkeit mit Art. 3 Abs. 1 GGIII. FazitE. Rechtspolitische DiskussionI. Vorschläge aus der LiteraturII. Stellungnahme und eigener ReformvorschlagIII. Fazit Schlussbetrachtung und Ausblick