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Während lange Zeit Außenpolitik und internationale Konfliktvermeidung im Fokus wissenschaftlicher Aufmerksamkeit standen, wuchs in den vergangenen Jahren die Literatur über Fragen innerer Sicherheit von Staaten beachtlich an, und zwar nahezu gleichzeitig mit dem Themenboom von "Entgrenzung" und "Globalisierung". Dies ist nur auf den ersten Blick paradox, denn die politisch durchaus gewünschte Durchlässigkeit von Grenzen beschränkt die Fähigkeit von Staaten, ihre klassische und ureigenste Aufgabe zu erflillen: Sicherheit zu ge währleisten. Zum einen, weil sie juristisch oder faktisch an Souveränität einbü ßen, zum anderen, weil neue Risiken flir die soziale und politische Ordnung dadurch erst entstehen. Gerade seine Verantwortlichkeit flir Sicherheit aber war es, die traditionell die Ausstattung des Staates mit besonderen Machtmitteln und sein Monopol auf legitime GewaItausübung begründet. Im Verhältnis zu den eigenen Bürgern äußert sich dieses Legitimationsprob lem so: Einerseits erwarten diese vom Staat Schutz und Sicherheit. Hier aber stößt er strukturell an deutliche Grenzen. Dies ist einer der Gründe dafur, dass sich das subjektive Sicherheitsempfinden der Bevölkerung in den meisten euro päischen Staaten deutlich verschlechtert hat. - Sie traut dem Staat nicht mehr zu, dass er diese zentrale Aufgabe lösen kann (Storbeck 1999: 349). Andererseits sitzt, historisch begründet, das gesellschaftliche Misstrauen tief, dass der Staat mit der Behauptung, seine Sicherungsfunktion erfordere dies, zu viel Macht akkumuliert und selbst zum gefährlichsten Feind flir individuelle Selbstentfal tung, persönliche Freiheit und bürgerliche Rechte wird. Schließlich sind auch demokratische Ordnungen nicht davor gefeit, Freiheitsrechte zu beschneiden,um (vermeintlich) Sicherheit zu erreichen.
Prof. Dr. Gert-Joachim Glaeßner ist Hochschullehrer am Lehrstuhl "Innenpolitik der Bundesrepublik Deutschland" an der Humboldt-Universität zu Berlin.Dr. Astrid Lorenz ist wissenschaftliche Assistentin am Lehrstuhl "Innenpolitik der Bundesrepublik Deutschland" an der Humboldt-Universität zu Berlin.
Vorwort.- Europäisierung der Politik innerer Sicherheit — Konzept und Begrifflichkeiten.- Europa und die Politik der inneren Sicherheit.- Deutschland: Mit Sicherheit weniger Freiheit über den Umweg Europa.- Frankreich: Republikanisches Vermächtnis trifft auf moderne Bedrohungen.- Großbritannien: Ein europäischer Sonderweg in der Politik innerer Sicherheit.- Italien: Sicherheitskonzepte im Widerstreit politischer Interessen.- Niederlande: Expansives Sicherheitskonzept, moderate Europäisierung.- Spanien: Sicherheitspolitik zwischen Kooperationszwang und nationalem Eigeninteresse.- Polens Politik der inneren Sicherheit: Europäisierung auf der Überholspur.- Norwegens neue Gesellschaftssicherheit: europäisiert wider Willen.- Türkei: Sicherheitspolitischer Paradigmenwechsel als Voraussetzung oder Folge des EU-Beitrittswunsches?.- Russland: Wandel der Sicherheitspolitik als Funktion der Innen- und Außenpolitik.- Vergleichende Beobachtungen zur Europäisierung der inneren Sicherheit.- Literatur- und Quellenverzeichnis.- Über die Autoren.
"Eine bemerkenswert kollektive Synthese, die zum besseren Verstandnis der Probleme beitragt, die bei der Europaisierung des Kampfes gegen die organisierte Kriminalitat und den Terrorismus in der nationalen Darstellung auftreten." Jahrbuch Extremismus & Demokratie, Jg. 18/2006