Das Johannesevangelium erzählt Ereignisse der Vergangenheit mit einem Anspruch auf historische Referenzialität. Dies erfolgt einerseits durch literarische Strategien, die die Authentizität der erzählten Ereignisse konstruieren, und andererseits durch solche, die diese konstruierte Authentizität konterkarieren. Susanne Luther legt dar, wie Leserinnen und Leser dadurch veranlasst werden, die Jesuserzählung einerseits als Darstellung realer geschichtlicher Ereignisse und die Inkarnation als zutiefst irdisch-geschichtliches Ereignis wahrzunehmen, andererseits aufgrund der „Brechung" der irdisch-geschichtlichen Authentifizierung Jesus von Nazareth als den Christus, den inkarnierten Gottessohn, zu erkennen. Die johanneische Geschichtsdarstellung bringt somit ein zentrales christologisches Anliegen zum Tragen, das über eine historiographisch-biographische Erzählung hinausgeht.
Geboren 1979; 2012 Promotion; 2018 Habilitation; 2018-20 Associate Professor für Neues Testament und frühchristliche Studien an der Fakultät für Theologie und Religionswissenschaft der Universität Groningen (NL); Professorin für Neues Testament an der Universität Göttingen.