Beställningsvara. Skickas inom 3-6 vardagar. Fri frakt för medlemmar vid köp för minst 249 kr.
Wie lassen sich Gegensätze zusammenhalten, ohne ihre Gegensätzlichkeit aufzuheben? Katharina Heyden entwickelt diese Kunst der Unterscheidung als Grundfigur christlichen Weltverstehens im Dialog mit Quellen aus dem fünften Jahrhundert. Die Konzilsakten von Chalcedon spiegeln das Ringen um die Unterscheidung von göttlicher und menschlicher Natur in der Person Jesus Christus. Anekdotische Aussprüche von Wüstenmönchen zeigen, wie die widerstrebenden Regungen der menschlichen Seele auf heilsame Weise unterschieden werden können. Die Autorin behandelt die Konzilsakten und Spruchsammlungen zugleich historisch-kritisch und theologisch-konstruktiv, indem sie ihre komplexen Wirkungsgeschichten bis hin zu Hegel und Kierkegaard verfolgt. Sie wirft ein neues Licht auf kollektive Wissensproduktion im fünften Jahrhundert und wendet die Kunst zu unterscheiden ohne zu trennen auf die historische Verflechtung des Christentums mit Judentum und Islam an.
Geboren 1977; 1996-2003 Studium der Theologie in Berlin, Jerusalem und Rom; 2008 Promotion an der Universität Jena; 2013 Habilitation an der Universität Göttingen; seit 2014 Professorin für Ältere Geschichte des Christentums und der interreligiösen Begegnungen an der Universität Bern; 2021 und 2024 Forschungsaufenthalte an der University of Chicago und am Institute for Advanced Study Princeton.
DreigesichtI. Einführung: Unterscheiden ohne zu trennenII. Unterscheidung von Naturen: Die Definition von Chalcedon1. Das Konzil - 2. Die Formel - 3. Die Akten - 4. Was bedeutet Definieren? - 5. Sein und Erkanntwerden - 6. Kein Paradox - 7. Christologie als Zugang zum WeltverstehenIII. Unterscheidung der Geister: Weisheit aus der Wüste1. Vielstimmige Überlieferung - 2. Die wichtigste Fähigkeit - 3. Gabe und Aufgabe - 4. Außen und Innen - 5. Körper und Seele - 6. Die Symmetrie von Person, Zeit und Ort - 7. Unterscheiden und Entscheiden - 8. Erkenntnis aus ErfahrungIV. Bewahren und Bewahrheiten: Die Koproduktion religiöser Traditionen1. Kollektive Weisheit im fünften Jahrhundert - 2. Rabbinische und frühislamische Vätersprüche - 3. Koproduzierte Traditionen: Judentum, Christentum, IslamV Epilog mit Hegel und Kierkegaard: Kein Entweder - Oder