Rückstände gehören zu den beharrlichsten Herausforderungen archivischer Arbeit. Ob bei Übernahme, Bewertung, Erschließung oder Bereitstellung: Begrenzte Ressourcen treffen auf stetig wachsende analoge und digitale Überlieferungen. Der vorliegende Band nimmt dieses Phänomen systematisch in den Blick und dokumentiert die Expertise und die Sicht von Fachleuten aus unterschiedlichen Archivsparten aus Deutschland, Österreich und der Schweiz. In dreizehn praxisnahen Beiträgen werden Rückstände als strukturelles Phänomen des Archivwesens analysiert und aus vielfältigen Perspektiven beleuchtet: von begrifflichen und strategischen Grundfragen über organisatorische und methodische Ansätze bis hin zu konkreten Projektberichten, technischen Lösungen und Herausforderungen der digitalen Archivierung. Die Autorinnen und Autoren zeigen, dass Rückstandsbearbeitung kein einmaliges Projekt ist, sondern eine dauerhafte Managementaufgabe, die Priorisierung, Transparenz und institutionell angepasste Lösungen erfordert. Im Mittelpunkt steht dabei stets die Frage der Nutzbarkeit und Zugänglichkeit von Archivgut. Der Band versteht sich auch als Impulsgeber für den archivübergreifenden Austausch und als Einladung, Rückstände sichtbar zu machen und strategisch zu gestalten.
Dr. Michael Ruprecht ist Direktor des Stadtarchivs Leipzig.
Einleitung.- I. Rückstandsbearbeitung – Strategische Überlegungen und Praxistauglichkeit.- Kosmos Rückstand. Ein Praxisbericht zur Definition und Erfassung von Rückständen.- „Ach so? Das Zeug interessiert Sie auch?“. Anbietepflicht versus Anbietepraxis.- Die dunkle Seite der Verwaltung. Umgang mit digitalen Rückständen am Beispiel des Kreisarchivs Soest.- Identifizierung und Erfassung von Archivierungsrückständen im Wiener Stadt- und Landesarchiv. Ein Werkstattbericht.- Barcodegestütztes Erschließungsmanagement von analogem Schrift- und Kulturgut im Archiv. Erfahrungen aus dem Stadtarchiv Köln.- Ereignisgetriebene Rückstandsbearbeitung. Die archivische Nacherschließung des Zuger Staatsarchivs im Spannungsfeld zwischen Umzugsvorbereitung und Schaffung der Kantonsgeschichte.- II. Neue Wege finden, Erfahrungen teilen – Werkstattberichte.- Erschließungssprints. Die Anwendung agiler Methoden bei der Rückstandsbearbeitung im Stadtarchiv Wiesbaden.- Erschließungssprints mit KONTESSA. Möglichkeiten und Grenzen eines „kleinen“ Projektformats.- Rückstandsbearbeitung als organisatorische Herausforderung. Ein Erfahrungsbericht aus dem Landesarchiv Schleswig-Holstein.- Wat fott es, es fott. Bewertung und Kassation von massenhaft gleichförmigen Fotos im Archiv des Landschaftsverbandes Rheinland.- Rückstände in der elektronischen Archivierung. Strategische und praktische Lösungsansätze.- Reguläre Irregularität. Überlegungen zum und Erfahrungen beim systematischen Abbau von nichtamtlichen Erschließungsrückständen im Stadtarchiv Stuttgart.- Sisyphus im Archiv. Maßstäbe, Triebkräfte und Methoden der Rückstandsbearbeitung.- Autorenverzeichnis. Beiträge von Michael Ruprecht (Stadtarchiv Leipzig), Sophie Motz (Stadtarchiv Leipzig), Katrin Marth (Bayerisches Hauptstaatsarchiv München), Kira Knappkötter (Kreisarchiv Soest), Kirsten Noetzel (LWL-Archivamt), Karin Winter (Wiener Stadt- und Landesarchiv), Christine Feld (Stadtarchiv Köln), Ernst Guggisberg (Staatsarchiv Zug), Peter Quadflieg (Stadtarchiv Wiesbaden), Julian Holzapfl (Staatsarchiv München), Ole Fischer, Rainer Hering (Landesarchiv Schleswig Holstein), Yasemin Hackbarth, Carla Lessing (Archiv des Landschaftsverbandes Rheinland), Michael Blosfeld (Stadtarchiv Leipzig), Katharina Beiergrößlein, Jürgen Lotterer (Stadtarchiv Stuttgart), Knut Langewand (Kreisarchiv Warendorf).